Sehr leichtes Sportkletterseil mit sehr angenehmem Handling.
VORTEILE
- Sehr leicht
- Krangelfreie Verpackung
- Mittelmarkierung
- Keine schwarzen Hände
- Sehr angenehm im Handling
NACHTEILE
- Keine Imprägnierung
BEWERTUNG
Ohne Seil geht nichts beim Klettern. Das Angebot an unterschiedlichen Seilen ist über die Jahre immer vielfältiger geworden, mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Und so war sehr gespannt, das Elektra 9.2 von CAMP testen zu dürfen.
Specs und Technologien
Das Elektra 9.2 ist als Einfach-, Zwillings- und Halbseil zertifiziert. Es besitzt eine Mittelmarkierung und wird in unterschiedlichsten Längen angeboten (40 Meter bis 80 Meter in 10-Meter-Schritten). Ich habe ein 50-Meter-Seil zum Testen bekommen.
Wie der Name bereits sagt, hat das Seil einen Durchmesser von 9,2 Millimetern. Es wiegt 52,2 g/m, was sehr leicht ist. Bei meinem 50-Meter-Seil kommt man dann auf 2,6 Kilo, bei 70-Meter-Seil auf 3,7 Kilo. Die statische Dehnung beträgt 5,9 % bei der Verwendung als Einfach- bzw. Halbseil und 4,0 % bei der Verwendung als Zwillingsseil.
Die dynamische Dehnung beträgt 34, 9% als Einfachseil, 28,7 % als Halbseil und 25,3 % als Zwillingsseil. Da ich selbst auch nicht ganz sicher war, was hier die Unterschiede sind, kurz zusammengefasst:
- Einfachseil: Verwendung als Einzelstrang
- Zwillingsseil: Verwendung im Doppelstrang, es werden immer beide Seile geclippt
- Halbseil: Verwendung beider Seile, aber abwechselndes Clippen der Seile
Mit fast 35 % dynamischer Dehnung ist das Seil sehr dynamisch. Das bedeutet, dass Stürze automatisch weicher werden, damit allerdings die Sturzlänge automatisch etwas größer wird. Das macht es einfacher, weich zu sichern, vor allem, wenn der Sicherer deutlich schwerer ist als der Kletterer, oder ein Bremskraftverstärker wie das Ohm im Einsatz ist.
Leider hat das Seil keinerlei Imprägnierung. In der Kletterhalle ist das komplett egal, das Seil ist durch das geringe Gewicht aber eigentlich gar nicht für die Halle gedacht, sondern für Sportklettern, Alpinismus und Mehrseillängen ausgelegt. Selbst dafür halte ich es für angenehm, wenn es zumindest teilweise imprägniert ist, da das Seil dann weniger Schmutz aufnimmt.
Bei einem komplett neuen Seil merkt man da wenig Unterschied, weshalb ich das bei meinem neuen Elektra nicht so gut sagen kann. Grundsätzlich fände ich das Seil vom Gewicht und Durchmesser aber auch super für Hochtouren, da es aber überhaupt nicht imprägniert ist, habe ich mich nicht getraut, es dafür zu verwenden. Schade und ein Minuspunkt für mich, da CAMP auch keine imprägnierte Variante anbietet, das gibt es nur für das 9,0-Millimeter- oder 9,.4-Millimeter-Seil von CAMP.
Erster Einsatz
Vor dem Losklettern muss das Seil erst mal ausgepackt werden. Dabei ist positiv hervorzuheben, dass die Verpackung aus 100 % recyceltem Material besteht. Das erste Abwickeln ist bei Kletterseilen meistens ein kritischer Moment.
Einmal nicht aufgepasst und kurz falsch abgewickelt, hat man Krangel ohne Ende und muss das Seil erst zigmal durchziehen, bevor man überhaupt damit klettern kann. Hier bekommt das Elektra große Pluspunkte. Es ist so verpackt, dass das Seil direkt verwendet werden kann und überhaupt gar nicht erst entkrangelt werden muss. CAMP nennt das „untwisted package“. Ich war auch skeptisch, ob das wirklich funktioniert, aber es hat mich überzeugt. Ich habe das Seil trotzdem lieber einmal durchgezogen, aber das eine Mal hat vollkommen ausgereicht.
In Verwendung
Das Seil ist von Anfang an sehr geschmeidig in der Verwendung. Manche Seile sind anfangs noch sehr drahtig und wehren sich förmlich dagegen, dass man Knoten damit macht. Das konnte ich beim Elektra nicht beobachten. Von Beginn an war der Knoten geschmeidig zu knüpfen und durch den dünnen Seildurchmesser braucht der Knoten auch nicht viel Platz am Gurt, was ich sehr angenehm finde.
Das Elektra ist nicht mit Grafit geschmiert, was ich sehr gut finde. Jeder Kletterer kennt die schwarzen Hände, wenn man viel gesichert hat, und das Pulver ist nach einem Tag am Fels häufig auch nur mit starkem Schrubben wieder loszubekommen. Das gibt es beim Elektra nicht, die Hände bleiben sauber, das finde ich super.
Das Handling des Elektra ist sehr angenehm. Ich habe es mit mehreren Kletterpartnern bereits genutzt und auch diese waren einstimmig äußerst zufrieden. Man kann sehr schnell Seil ausgeben, es flutscht gut beim Sichern, es krangelt wenig und ist nicht steif und nicht unflexibel. Es liegt auch angenehm in der Hand, bei noch dünneren Seilen finde ich es oft unangenehm, das Seil zu greifen. Das gilt auch vor allem, wenn man gestürzt ist und sich am Seil hochziehen möchte.
Im neuen Zustand, als ich das Elektra getestet habe, hatte das Seil ziemlich wenig Reibung. Beim Ablassen mit einem Grigri (nicht das neueste Modell, aber für die Seildicke zugelassen) musste der Sicherer stark aufpassen, dass es nicht zu schnell durchläuft. Mit meinem Jul funktioniert es super, ich habe keine Probleme gehabt.
Da ich häufig mit schweren Kletterpartnern klettere, ist die geringe Reibung allerdings tatsächlich gar nicht so praktisch für mich. Bei größeren Gewichtsunterschieden werden die Stürze so schlechter gebremst und weiter. Ich vermute aber, dass das nach etwas Abnutzung automatisch besser wird. Abnutzung ist nach meinem Testzeitraum von 1,5 Monaten und regelmäßiger Verwendung von 1–2 Mal pro Woche noch nicht eingetreten.
Um eine Aussage über die Langlebigkeit des Elektra zu treffen, finde ich das aber noch nicht aussagekräftig. Auf der Webseite wirbt CAMP damit, dass die Konstruktion des Elektra extra auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Dazu kann ich aber bisher noch nicht mehr sagen.
Fazit
Tolles Seil, für mich genau die richtige Dicke, sehr angenehm im Handling und ohne schwarze Hände. Die Verpackung sorgt für krangelfreies Losklettern. Das geringe Gewicht ist super für lange Zustiege an den Fels oder alpines Sportklettern, leider ist es aber nicht imprägniert.